Mahnwachen für getötete Radfahrende in Mitte und Spandau

Fotos: ADFC-Berlin
Fotos: ADFC-Berlin

Am Samstag den 2. Dezember 2017 fanden Mahnwachen für die am 30.11. und 01.12. getöteten Radfahrenden statt. Mehr als 100 Menschen starteten am ersten Unfallort in Mitte und fuhren in einem Fahrradkorso zum zweiten Unfallort nach Spandau, um auch dort ein Geisterrad aufzustellen. Bei einer Zwischenkundgebung vor dem Bundeskanzleramt forderten sie die Politik auf, endlich zu handeln.

Zwei tödliche Unfälle innerhalb von 24 Stunden

Am Morgen des 30.11. fuhr ein 77-jähriger Radfahrer die Karl-Liebknecht-Str. in Mitte entlang, als er in eine sich plötzlich öffnende Autotür fuhr. Der Fahrer des Taxis hatte die Tür ohne Rücksicht aufgerissen. Der Radfahrer wurde schwerst verletzt ins Krankenhaus gebracht und verstarb dort noch am selben Tag. Am folgenden Freitagmorgen wurde eine Radfahrende in Spandau von einem Lkw überollt. Der Lkw, der aus der Seegefelder Str. nach rechts in die Zeppelinstr. abbog, missachtete die Vorfahrt der 77-jährigen Radfahrerin, welche die Kreuzung geradeaus passieren wollte. Er erfasste die Radfahrerin und verletzte sie so schwer, dass sie noch am Unfallort verstarb.
Mahnwache in Mitte

Unfälle durch unachtsam geöffnete Autotüren (Dooring-Unfälle) passieren häufig und sind vermeidbar: Autofahrer müssen sich vor dem Öffnen der Tür versichern, dass sie keinen Radfahrenden treffen.

Lkw-Abbiegeunfälle sind seltener, aber meistens tödlich. In Lkw müssen deshalb Abbiegeassistenten zur Pflicht werden, um das Überfahren von Radfahrenden und Fußgängern beim Abbiegen zu verhindern.

Am Unfallort in Mitte gab es eine Kundgebung, bei der auch Gespräche mit Taxifahrern stattfanden. Anschließend forderten die mehr als 100 Teilnehmenden während der Demonstration und bei der Abschlusskundgebung in Spandau am zweiten Unfallort, was endlich notwendig ist: Eine Berliner Initiative für die bundesweite Pflicht von Abbiege- und Bremsassistenten in Lkw, damit Radfahrende geschützt werden. Außerdem: Sichere Radverkehrsanlagen an Kreuzungen, mehr Personal für die Unfallkommission und mehr Kontrollen von Lkw-Fahrern durch die Polizei.


Die Zahl der in diesem Jahr getöteten Fahrradfahrenden steigt damit auf 9, die Zahl der Berliner Verkehrstoten auf insgesamt 33. Eine Übersicht der tödlichen Radunfälle in Berlin gibt es hier.

Weitere Links zum Thema:

Polizeibericht zum Unfall in Mitte

Polizeibericht zum Unfall in Spandau

Pressebericht zu den Unfällen

ADFC-Forderungen um Lkw-Unfälle zu verhindern

Faktenüberblick zu Radverkehrsunfällen