Von der Donauquelle bis nach Augsburg

Blick auf den Fluß

Diese Radtour von der Donauquelle bis ins Herz der schwäbischen Alb und weiter bis nach Augsburg war ein Genuss für alle Sinne. Viele verregnete Kilometer wurden später durch Sonnenstrahlen und wunderschöne Aussichten belohnt.

Um es gleich vorauszuschicken: Das Wetter war durchwachsen, zwei Tage sogar bescheiden. Das war aber tatsächlich auch das Einzige, was es an dieser Radreise zu bemängeln gab und wir haben das Beste daraus gemacht. Ansonsten aber war diese Radtour von der Donauquelle bis ins Herz der schwäbischen Alb und weiter bis nach Augsburg ein Genuss für alle Sinne. Und um noch ein letztes Mal auf das Wetter zu sprechen zu kommen – der Genuss begann sofort, als die letzten Regentropfen getrocknet waren, weil sofort die Sonne strahlte und man durch die, einer Theaterkulisse gleichenden, von gleißend weißem Kalkstein umrahmten Schluchten durch satt grüne Wiesen und gelb strahlende Rapsfelder fuhr.

Bevor es soweit war stand eine längere Bahnfahrt mit zwei Umstiegen von Berlin bis Villingen-Schwenningen an – lang aber interessant und kurzweilig vor allem durch die, nicht allen bekannten, Landschaften z.B. des Hessischen Berglandes und des Schwarzwaldes. Am späten Nachmittag erreichten wir, entlang des Brigachtals, per Rad noch rechtzeitig das erste Quartier in Donaueschingen und konnten uns auch noch mit dem entzückenden Fachwerkstädtchen bekannt machen.

Das wichtigste dieses Ortes ist natürlich die Quelle des größten europäischen Flusses – der Donau. Sie wird schnell wasserreich, schließlich helfen ihr dabei die Zuflüsse der Flüsschen Brigach und Breg. Die Donau wird damit bald zu einem relativ stattlichen Fluss. Mit einer Gesamtlänge von 2850 km und dem Durchqueren von insgesamt 10 europäischen Staaten gilt sie zu Recht als DER europäische Fluss. Vorher aber versickert die Donau ganz oder teilweise noch mal im durchlässigen Karstgestein. Wir konnten das kaum erkennen, denn durch wochenlangen Regen führte die Donau dafür zu viel Wasser. Also noch mal zu einer trockneren Zeit hinfahren und das sicher interessante Naturschauspiel anschauen!

Der Donauradweg ist sehr gut beschildert, in einem guten Zustand, meist eben mit nur leichten Steigungen und zumindest in dieser Gegend bzw. zu dieser Jahreszeit nur sehr wenig befahren. Das ist für gestresste Großstädter allein schon Erholung pur, man wird eins mit sich und der Landschaft und freut sich dann sogar, wenn man irgendwann mal wieder auf einzelne Radler trifft. So erlebten wir auch den Park von Kloster Inzighofen fast menschenleer und freuten uns auf Sigmaringen, ein entzückendes altes Städtchen. Vor allem die Besichtigung und die informative Führung durch das noch bewohnte Hohenzollernschloss waren ein besonderer Höhepunkt. Sie gewährten einen Einblick in Vergangenheit und Gegenwart dieses Landstrichs. Auch der vierte Tag stand für eine enge Symbiose von Natur und Kultur. Vorbei an beeindruckenden Formationen bizarrer Karstfelsen erreichten wir in Blaubeuren, im Herzen der schwäbischen Alb, den sogenannten Blautopf – eine türkisblau schimmernde Quelle des Flüsschens Blau. Dahinter verbirgt sich – von außen nicht erkennbar – ein einzigartiges unterirdisches Höhlen- und Flussnetzwerk, das in seiner Größe und Verzweigung noch immer nicht voll erforscht ist. Das urgeschichtliche Museum im Ort gibt erste Antworten auf die Fragen seiner Entstehung und Bedeutung. Fast unnatürlich anmutendes, türkisblaues Wasser

Noch mehr Einblicke in die Geschichte der Region ermöglichte uns am nächsten Tag die Führung durch die Stadt Ulm, die weit mehr zu bieten hat als den höchsten deutschen Kirch-turm. Dazu zählen auch die ungewöhnlich hohen, gut erhalten Fachwerkbauten dieser bedeutenden Universitätsstadt und auch das „schiefste bewohnbare Hotel der Welt“, ebenfalls Fachwerk. Nach einem kräftigen Essen in einem sehr urigen alten Gasthaus im alten Fischerviertel brachte uns ausnahmsweise die Bahn weiter nach Augsburg, dem Ziel unserer Radreise. Das "schiefste bewohnbare Hotel der Welt"

Augsburg am Lech – wir hatten den Donauradweg verlassen – ist eine in mehrfacher Hinsicht besondere Stadt. Gegründet bereits 15 v. Chr. unter dem römischen Kaiser Augustus kreuzten sich hier mehrere Handelswege, machten die Stadt reich und zu einem der bedeutendsten Finanzplätze Europas. Diesen Reichtum erlebt man noch heute in der Stadt, z.B. im großartigen Goldenen Saal im Rathaus der Stadt. Die Einzigartigkeit der Stadt besteht aber vor allem auch darin, dass es hier seit 1521 die „Fuggerei“, als erste Sozialsiedlung der Welt, gibt und diese bis zum heutigen Tag als Stiftung in Form von kleinen Reihenhaussiedlungen als Ruhesitz für unverschuldet in Not geratene Menschen funktioniert. Benannt ist sie nach den Stiftern, der Familie der Fugger, die mit ihren Geldgeschäften den Reichtum der Stadt begründeten.

Bei dieser Radreise, mit 280 km, wurde einerseits kräftig geradelt und gleichzeitig Natur und Kultur ein hoher Stellenwert gegeben. Mir ist das sehr wichtig, denn ich möchte nicht nur wissen, wo sich ein Museum, eine Bildungseinrichtung oder soziale Einrichtung befinden, sondern welche Historie, welche Gegenwart und Perspektive damit verbunden ist. Carsten Schulz, ein noch relativ junger Tourenleiter beim ADFC, fühlt sich genau dieser Verknüpfung von Sport, Natur und Kultur verpflichtet. Deshalb sind von ihm noch viele höchst interessante Radtouren, auch in die von Berlin entfernteren Gegenden, zu erwarten. Nicht unerwähnt sei, dass Carsten ein hervorragender Organisator und besonders umsichtiger, liebenswürdiger Tourenleiter ist. Damit war auch die Stimmung in unserer Gruppe immer sehr gut – vielen Dank für diese tollen Tage.

Text: Irene Lischka Foto: Bernd Gärtner