17 tote Radfahrer im Jahr 2016 - ADFC Berlin stellt Geisterräder auf

An dieser Einmündung an der Beusselstraße in Moabit wurde im Oktober 2016 eine 32-jährige Radfahrerin von einem Lkw getötet.

Am Mittwoch, den 29.03.2017 stellte der ADFC Berlin seine weißen Geisterräder auf, mit denen er jedes Jahr an tödlich verunglückte Radfahrer erinnert. Auch wenn die Zahl aller Radunfälle leicht abnahm: Im letzten Jahr sind 17 Menschen in Berlin mit dem Fahrrad ums Leben gekommen, mehr als in jedem der vergangenen zwölf Jahre.

Unfallursachen werden kaum bekämpft

Nach wie vor werden die meisten Unfälle von Kraftfahrern beim fehlerhaften Abbiegen verursacht. Diese Unfallursache nahm bei Radunfällen zu, während Radfahrer erneut weniger Unfälle verursachten oder mitverursachten. Lkw-Fahrer bleiben die Hauptverursacher tödlicher Radunfälle: Sechs Radfahrerinnen und Radfahrer wurden allein im letzten Jahr von rechtsabbiegenden Lkw getötet. Trotzdem bleiben als gefährlich bekannte Kreuzungen seit Jahren unverändert. Das Abbiegeverhalten wurde von der Polizei nur in wenigen Schwerpunktaktionen kontrolliert.

Am Samstag, den 25.03.2017 wurde erneut ein Radfahrer von einem rechtsabbiegenden Lkw überrollt und getötet, der erste im Jahr 2017. Der ADFC und der Volksentscheid Fahrrad gedachten dem 80-jährigen Senior gemeinsam mit einer Mahnwache am Unfallort.

Vier andere Radfahrer wurden auf gerader Strecke von Kfz getötet, die in gleicher Richtung fuhren. Oft passieren diese Unfälle, weil der gebotene Überholabstand von 1,50 Metern von Kraftfahrern nicht eingehalten wird. Mehr zeitgemäße Radverkehrsanlagen müssen Radfahrende vor dieser Gefahr schützen.

„Die vielen getöteten Radfahrerinnen und Radfahrer lassen uns in Trauer auf das letzte Jahr zurückblicken. Wie viele von ihnen würden vielleicht noch leben, wenn die Politik die bekannten Probleme der Verkehrssicherheit früher ernst genommen hätte?“, mahnt Evan Vosberg, im Vorstand des ADFC Berlin zuständig für Verkehr.

Die umweltfreundlichsten Verkehrsteilnehmer sind am meisten gefährdet

Nun muss nicht nur die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz ernst machen mit dem fahrradgerechten Umbau Berlins. Auch die Senatsverwaltung für Inneres muss die Verkehrssicherheitsarbeit der Polizei grundsätzlich überdenken. Denn von seinem Ziel, die im Berliner Straßenverkehr Getöteten um 40% und die der Verletzten um 30% (bis 2025) zu senken, ist der Senat weit entfernt. Opfer sind vor allem die ungeschützten Verkehrsteilnehmer: Zwei von drei Getöteten im letzten Jahr waren Fußgänger oder Radfahrer. Nur jeder Zehnte war Pkw-Insasse. Dabei verursachen Pkw- und Lkw-Fahrer mehr als 80% aller Verkehrsunfälle, während Radfahrer nur 3,6% der Unfälle verursachen.

„In Berlins Verkehr lebt am gefährlichsten, wer die umweltfreundlichste Verkehrsart wählt. Das sendet eine fatale Botschaft an die Bevölkerung. Die Sicherheit der ungeschützten Verkehrsteilnehmer muss ein Top-Ziel des neuen Senats werden“, so Vosberg.

Berichterstattung

Peter Neumann von der Berliner Zeitung twitterte seinen Artikel über die Geisterräder mit dem Kommentar: “Die Statistik bedient die Stereotypen nicht: 2016 starben keine Rüpelradler, aber 7 Senioren“

Die RBB Abendschau berichtete über die Mahnwache und das Geisterrad für den ersten Radtoten 2017: https://www.rbb-online.de/abendschau/archiv/20170327_1930/radfahrer-unfaelle-lkw-.html

Unfallanalyse des ADFC Berlin

Jedes Jahr unterzieht der ADFC Berlin die Radunfälle einer detaillierten Analyse. Erfahren Sie mehr zu Radunfällen 2016, lassen Sie sich über Mythen und Missverständnisse aufklären und lernen Sie Maßnahmen und Tipps kennen.