Ausbildungen rund um das Fahrrad

Rund um unser geliebtes Fortbewegungsmittel gibt es eine Reihe von Berufen, die sich damit beschäftigen, uns als KundInnen einen guten und verlässlichen Service zu bieten.

Im klassischen Fahrradladen begegnet uns in der guten Regel eine FachverkäuferIn; der Laden ist ein Einzelhandelsbetrieb, ob Filiale einer Kette oder Einzelunternehmen. Er oder sie übergibt mein Velo der Werkstatt. Hier werkeln zwar viel zu oft Unqualifizierte, aber nehmen wir mal einen soliden, korrekt arbeitenden und bezahlenden Betrieb an. Dann kommt das Radl in die Hände eines Zweiradmechanikers (seltener: einer Zweiradmechanikerin), der es nach der Diagnose und Auftragsannahme wiederum seinem Kollegen, dem Fahrradmonteur übergibt.

Seit diesem Ausbildungsjahr 2015 heißt der Beruf der/des Zweiradmechanikers „Zweiradmechatroniker/In”, eine Anpassung an die veränderten und gestiegenen Anforderungen an den Beruf durch die Motorisierung der Fahrräder durch Elektro-Antriebe. Die Endkontrolle macht dann der Zweiradmechaniker-*Meister*. Und bei der Abholung übergibt mir der Inhaber des Ladens mein Bikel, und der Inhaber, ja, der kann alles oder nichts dergleichen sein. Wenn der Laden einen Meister beschäftigt, ist das auch ziemlich egal.

Die gesetzlichen Vorschriften sagen klar, dass Reparaturen an Fahrrädern nur unter Aufsicht eines Meisters durchgeführt werden dürfen – Meisterpflicht. Für reine Handelsbetriebe – die Mehrzahl der Fahrradläden – gilt die Ausnahme, dass sie an Fahrzeugen, die von ihnen verkauft wurden auch Servicearbeiten durchführen dürfen. Diese Ausnahme sorgt für eine große Grauzone in der Fahrradbranche. Denn gilt Deutschland als Land der Vorschriften, dann gilt aber auch, dass die Einhaltung der Vorschriften nicht kontrolliert wird, zumindest im Bereich des Fahrrades nicht. Fragt doch mal den Händler von nebenan, ob er einen Meisterbrief in der Werkstatt zu hängen hat …

Zwischen MonteurIn und MechatronikerIn ist der Beruf: Geprüfter Zweirad-ServicetechnikerIn angesiedelt. In Berlin gibt es derzeit (Frühjahr 2015) keine Anbieter dieser Weiterbildung.

Die Branche und ihre Berufe

Die Fahrradbranche ist keine, in der als Angestellter viel Geld zu verdienen ist. In Berlin und Brandenburg liegen die Gehälter ein Drittel unter denen in den alten Bundesländern. Handwerks-Lehrlinge dürfen mit mindestens 412 Euro Ausbildungsentgelt im ersten Lehrjahr rechnen.

Der Fahrradmonteur (m/w) ist als Industrie- und Hilfsberuf konzipiert. Monteure arbeiten auf Anweisung, wozu sie nur grundlegende praktische Fertigkeiten benötigen. Fahrradmonteure können sich weiterbilden zum Zweiradmechaniker (m/w). Sie dürfen sich auch mit einem Laden selbständig machen. Die Ausbildung zum Fahrradmonteur/zur Fahrradmonteurin dauert 2 Jahre.

Der Zweiradmechatroniker Fachrichtung Fahrrad (m/w) ist der eigentliche Handwerksberuf in der Fahrradbranche. Es ist ein junger Beruf, 1987 wurde er als Ausbildung begründet. Metallbearbeitung wie Drehen, Fräsen, Schweißen, betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse wie Einkaufs- und Auftrags-Kalkulation sind im Lernprogramm wie auch gründliche Kenntnisse in elektrischen Anlagen für Pedelecs sicherlich nützlich. Ferner lernen auch die “FahrradmechanikerInnen” die Grundlagen der Motorradtechnik. Außerhalb Berlins finden Zweiradmechatroniker Fachrichtung Fahrrad auch Arbeit in klassischen Mischanbietern, welche Fahrräder und Mopeds gleichermaßen im Angebot haben und auch Rasenmäher und andere Motor getriebenen Arbeitsgeräte reparieren, auch Bootsmotore. Außerdem finden ZweiradmechanikerInnen auch im Berufsfeld Krankenfahrzeuge (Rollstühle) eine Anstellung.

Außerdem werden die S(chnellen)-Pedelecs bis 45 km/h mit Versicherungskennzeichen nicht mehr als Fahrräder mit Hilfsmotor, sondern als Kleinkrafträder eingestuft. Es ist also plausibel, dass ein “Fahrradmechaniker” sich auch in Klein- Motorrädern auskennen darf.

Der nach der Regel-Lehrzeit von 3 1/2 Jahren erworbene Gesellenbrief berechtigt zur weiteren Qualifizierung, in der Regel zum/zur Zweiradmechatroniker Meister/-in. Meister/-innen dürfen ausbilden, einen Betrieb führen, der Reparaturen aller Art anbietet und können über die Mitgliedschaft in der Zweiradmechaniker Innung auch die Ausbildungsgrundlagen mit bestimmen.

Es ist empfehlenswert, die Ausbildung in einem Fahrradbetrieb zu absolvieren. Überbetriebliche Ausbildungen bei Bildungsträgern sind eine Alternative. Doch eine tägliche Praxis hat einen Wert an sich und sollte bei überbetrieblicher Ausbildung mit erhöhter Aufmerksamkeit während eines Praktikums oder mit parallel laufender Praxis bei Aushilfstätigkeiten in das Lernen eingeübt werden. Oder man schafft eine Note Eins oder gute Zwei in der Abschlussprüfung, dann ist bei Arbeitgebern die überbetriebliche Ausbildung auch gut angesehen.

FahrradverkäuferInnen sind im Beruf Einzelhandelskaufmann/-frau ausgebildet, Informationen hierzu z.B. bei der Industrie- und Handelskammer Berlin.

Für Einzelhandelskaufleute wie auch für Träger anderer Berufe sind die Kurse der VSF-Akademie zu empfehlen: Qualifikation bei der VSF-Akademie.

Informationen zu den Handwerksberufen in der Fahrradbranche gibt es z. B. bei der Zweiradmechaniker-Innung Berlin.

Im Übrigen könnte jede Ausbildung bei Volljährigen auch im Selbstunterricht erfolgen, es zählt am Ende schließlich nur, ob die Prüfung bestanden wurde oder nicht. Dieser Sonderweg empfiehlt sich aber nur für Menschen, die eine sehr stark ausgeprägte Disziplin und Organisationsfähigkeit besitzen. So also: Viel Glück bei der Suche nach einem guten Ausbildungsbetrieb! Nehmt Euch die Zeit, die Betriebe anzuschauen. Wenn Ihr nicht selbst Kunde seid, fragt Kunden, wie zufrieden sie mit dem Laden sind, schaut in die Gesichter der Mitarbeiter dort, schaut in die Werkstatt, ob Ihr da arbeiten möchtet, fragt nach dem Meister, schaut ins Büro, ob es da übersichtlich ist. Jedes Ja bringt Euch einen Schritt weiter zu einer Arbeit in einer trotz aller Mängel wunderbaren Branche!

U.C.