Mahnwache und Geisterradaufstellung in Schöneberg am 24.01.2018

Fotos: ADFC-Berlin

Am Morgen des 23.01.2018 wurde eine 52-jährige Radfahrerin am Schöneberger Kaiser-Wilhelm-Platz von einem rechtsabbiegenden Lkw überfahren. Sie verstarb noch an der Unfallstelle. Zur Mahnwache am folgenden Mittwoch kamen mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, um gemeinsam mit den Angehörigen der Getöteten zu gedenken und mehr Sicherheit für Radfahrende zu fordern.

Es war noch früh am Morgen, als die Radfahrerin auf ihrem Weg zur Arbeit aus der Kolonnenstraße in Richtung Hauptstraße fuhr und bei grüner Ampel die Straße überqueren wollte, um nach links in die Hauptstraße zu fahren. Doch soweit kam es nicht. Ein rechtsabbiegender überollte die Radfahrerin. Sie ist die erste getötete Radfahrerin in diesem Jahr.

Schweigeminute auf der Kreuzung

“Es macht mich traurig, das kein Monat des neuen Jahres vergangen ist und wir schon ein Geisterrad aufstellen müssen,” sagte der stellvertretende ADFC-Landesvorsitzende Evan Vosberg bei der Kundgebung während der Mahnwache.

Der Volksentscheid Fahrrad und der ADFC Berlin hatten gemeinsam zur Mahnwache an der Kreuzung aufgerufen. Nach Angabe der Polizei waren mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Unfallort in Schöneberg gekommen und gedachten der Verstorbenen mit einer Schweigeminute auf der Unfallkreuzung. Anschließend stellte der ADFC Berlin ein Geisterrad auf.

Stadtteilgruppen Markus Kollar spricht vor den Teilnehmern

Besonders traurig ist, dass der Unfall vermeidbar gewesen wäre. Dass die Kreuzung von Kolonnen- und Hauptstraße für Radfahrer gefährlich ist, war sowohl der Senatsverwaltung als auch dem Bezirk bekannt. Der Sprecher der ADFC-Stadtteilgruppe Tempelhof-Schöneberg, Markus Kollar, beklagte in seinem Redebeitrag, dass die Senatsverwaltung sich dieses Problems nicht mit der gebotenen Dringlichkeit angenommen habe.

Jährlich sollen gefährliche Kreuzungen umgebaut werden:

Die Senatorin kündigte an, dass jährlich mehrere gefährliche Kreuzungen umgebaut würden: In diesem Jahr sind zehn Kreuzungen geplant, 2019 sollen es 20 Kreuzungen sein und ab 2020 jährlich Verbesserungen an 30 Kreuzungen. Möglich ist das nur mit genügend Planern und Ingenieuren auf Bezirks- und Landesebene und den Vorgaben, die im Mobilitätsgesetz verankert sind. Grundlage für mehr Sicherheit ist deshalb die schnelle Verabschiedung des Gesetzes.

Außerdem bestätigte Senatorin Günther, dass Berlin eine gesetzliche Pflicht für Abbiegeassistenten in Lkw als Initiative in den Bundesrat einbringen wird. Das fordert der ADFC schon lange. Abbiegeassistenten erkennen über Sensoren, ob sich im Umfeld des Lkw Radfahrende oder Fußgänger befinden, zeigen dies dem Fahrer an und könnten sogar eine eine Bremsung einleiten. Zwar ist theoretisch durch die Lkw-Spiegel das komplette Umfeld des Fahrzeugs einsehbar, doch in der Praxis sind Lkw-Fahrer oft mit der Abbiegesituation überfordert, Spiegel sind häufig nicht voll funktionsfähig oder falsch eingestellt.

Das aufgestellte Geisterrad erinnert an die Radfahrerin.

Weiterführende Links:

Polizeimeldung zum Unfall
Forderungen des ADFC Berlin zur Vermeidung von Lkw-Rad-Unfällen
Hinweise zu einer Mahnwache im Zusammenhang mit einer Geisterradaufstellung