Berlin umweltfreundlich entdecken: Radtourismus fördern!

Im Januar 2018 hat die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe das neue Tourismuskonzept 2018+ vorgelegt. Die Förderung des Radtourismus kommt in dem Konzept viel zu kurz – der Senat verspielt das ökologische und wirtschaftliche Potenzial des Radtourismus. Reisen und Sightseeing mit dem Fahrrad stehen für nachhaltigen, stadtverträglichen Tourismus. Der ADFC Berlin fordert deshalb vom Senat, den Radtourismus mehr zu fördern und beschreibt hier die notwendigen Maßnahmen.

Viele Argumente sprechen für die stärkere Förderung des Radtourismus in Berlin. Gerade für einen stadtverträglichen, nachhaltigen Tourismus kann er einen entscheidenden Beitrag leisten, denn:

  • Radtourismus schafft Wertschöpfung: Der Fahrradtourismus in Deutschland ist seit vielen Jahren ein stabil wachsender Markt. Mit 7,3 Mrd. Euro Gesamtnettowertschöpfung pro Jahr trägt er ca. zwölf Prozent zur gesamttouristischen Wertschöpfung im Deutschlandtourismus bei. Auch für Berlin kann er wertvolle Impulse für einen ökonomisch nachhaltigen, umsatzstarken Tourismus setzen.
  • Radtourismus ist nachhaltig: Wer mit dem Rad unterwegs ist, schont das Klima und entlastet die Städte vom Autoverkehr. Daher unterstützt ein konsequenter Ausbau der Radinfrastruktur einen ökologisch nachhaltigen Tourismus in Berlin.
  • Radtourismus stärkt das Image Berlins: Radfahren in Metropolen liegt im Trend. Der Tourismus in Berlin kann vom steigenden Radverkehr und einer erfolgreichen Umsetzung des geplanten Mobilitätsgesetzes profitieren. Ähnlich wie Kopenhagen kann Berlin das Image als Fahrradmetropole für touristisches Marketing nutzen. Eine klare Positionierung als Radmetropole ist eine hervorragende Ergänzung des touristischen Profils der Hauptstadt.
  • Radtourismus kommt allen Bezirken zugute: Berlins Gäste radeln nicht nur im Zentrum der Stadt. Gerade Wiederholungsgäste und Tagesausflügler erkunden auch die Außenbezirke per Fahrrad. Der Bewegungsradius ist deutlich größer und flexibler ist als zu Fuß. Damit trägt der Radtourismus zu einer besseren Verteilung der Besucherströme im gesamten Stadtgebiet und einer Entlastung stark frequentierter Gebiete bei.
  • Radtourismus schafft mehr Lebensqualität: Eine attraktive radtouristische Infrastruktur wird nicht nur von Touristen, sondern auch von den Berlinerinnen und Berlinern selbst genutzt – sei es auf dem Weg zur Arbeit oder in der Freizeit. Er leistet damit einen deutlichen Beitrag für mehr Lebensqualität.

Berlin ist schon heute ein wichtiger Knotenpunkt für den Radtourismus. Neun offizielle Radfernwege (z.B. Berlin-Kopenhagen, Berlin-Usedom, Spree-Radweg, Mauerradweg) verlaufen durch Berlin, starten oder enden hier. Allerdings ist der Zustand vieler touristischer Radwege desaströs. So erfüllt gerade der Berliner Mauerweg als wichtiges radtouristisches Aushängeschild für die Hauptstadt keinerlei Qualitätsstandards: An vielen Stellen bricht der Asphalt auf, wächst der Weg allmählich von den Seiten zu, werden lange, unattraktive Umleitungen ausgewiesen oder fehlen gastronomische Versorgungsangebote entlang der Route. Ähnliche Mängel weisen auch andere Radfernwege auf (z.B. Spreeradweg, R1) – für die Destination Berlin ist das ein gewaltiger Imageverlust.

Trotzdem haben in Berlin – anders als in vielen anderen Städten und Tourismusregionen – bislang nur wenige Tourismusverantwortliche den Fahrradtourismus auf dem Radar. Einzelne Bezirke wie Steglitz-Zehlendorf oder Treptow-Köpenick haben radtouristische Entwicklungskonzepte erarbeitet.

Für die Gesamtdestination Berlin stehen mit Sightseeing, Kunst und Kultur oder Shopping-Tourismus jedoch andere Themen im Mittelpunkt.


ADFC-Forderungen für einen erfolgreichen Radtourismus in Berlin

Der ADFC ist Experte für Radtourismus und begleitet die radtouristische Entwicklung in Deutschland und Europa seit vielen Jahren. Gern stehen wir mit unserem KnowHow zur Verfügung, um den Radtourismus in Berlin zu einer Erfolgsstory zu entwickeln. Zunächst stehen dazu aus unserer Sicht drei zentrale Aufgaben im Mittelpunkt.

  • 1) Der Radtourismus in Berlin braucht Koordinierung und Abstimmung

Ein erfolgreicher Radtourismus erfordert eine professionelle Steuerung und ganzheitliche Entwicklung auf Senatsebene. Dafür ist eine bessere Zusammenarbeit zwischen Tourismus und Verkehrsplanung notwendig. Es braucht eine zentrale Koordinierungsstelle, die radtouristische Anliegen bündelt und fester Ansprechpartner für alle berlinweiten Fragen zum Radtourismus ist.

Die Koordinierungsstelle bildet eine Schnittstelle zwischen den Tourismusexperten auf der einen Seite (z.B. visitBerlin) und den Verkehrsexperten auf der anderen Seite (z.B. SenUVK). Zudem sollten hier die Belange der 12 Berliner Bezirke, die ebenfalls für die radtouristische Infrastruktur- und Produktentwicklung zuständig sind, zusammenlaufen. Eine enge Zusammenarbeit mit Brandenburg ist bei länderübergreifenden Radtourismusprojekten zwingend notwendig.

  • 2) Der Radtourismus in Berlin braucht wettbewerbsfähige Produkte und Infrastruktur

Die wesentliche Stellschraube für einen professionellen Radtourismus in Berlin ist die Qualität des Radwegenetzes. Dazu braucht es eine gute Planungsgrundlage und ein radtouristischen Gesamtkonzept, das beispielsweise aufzeigt, ­ welche Radwege von besonderer touristischer Bedeutung sind (z.B. Fernradwege), ­ wo Lücken bestehen (z.B. Tangential-/ Querverbindungen zwischen den Bezirken), ­ welche Verknüpfungsmöglichkeiten mit dem Alltagsradverkehr bestehen (z.B. Radschnellrouten, Velorouten) oder auch ­ wo Mängel in Bezug auf die touristische Infrastrukturqualität bestehen (siehe dazu auch Qualitätskriterien für ADFC-Qualitätsradrouten).

­Doch nicht nur Wegequalität ist für touristische Radwege bedeutsam. Sie sollten teilweise anderen Routen folgen als klassische Radwege, attraktive Rundtouren ermöglichen, ein ­bestimmtes Thema aufgreifen und inszenieren sowie möglichst viele touristische Angebote einbinden (z.B. Sehenswürdigkeiten, Kultureinrichtungen, gastronomische Angebote). Zudem ­wünschen sich Touristen begleitende radtouristische Angebote entlang der Wege, beispielsweise Abstellanlagen, Schließboxen oder Informationstafeln. Nur so kann auch eine möglichst ­hohe Wertschöpfung generiert werden.

  • 3) Der Radtourismus in Berlin braucht professionelles Marketing

Neben einem funktionierenden Qualitätsmanagement muss Radtourismus in Berlin professionell vermarktet werden. Dazu braucht es klare Zuständigkeiten und Ressourcen für das berlinweite radtouristische Marketing, die bisher auf Landesebene nirgends vorhanden sind. Denn das Marketing für den Radtourismus muss aus einer Hand kommen, um effektiv zu wirken. Im Idealfall gehen die Koordination und das Marketing Hand in Hand.

Der ADFC Berlin fordert daher die Sicherstellung eines zentralen Marketingbudgets für den Radtourismus in Berlin. Die Erfahrung des ADFC zeigt, dass die Dichte der zu vermarktenden touristischen Radtouren und hier insbesondere der Radfernwege überschaubar bleiben muss (siehe dazu auch Checkliste zu Bedingungen für die Entwicklung und Vermarktung touristischer Radrouten). Nur so können die Marketing-Ressourcen effizient eingesetzt und „Leuchtturmprojekte” entwickelt werden, die Radurlauber anziehen.

Weiterführende Literaturhinweise:

Qualitätskriterien für ADFC-Qualitätsradrouten

Checkliste zu Bedingungen für die Entwicklung und Vermarktung touristischer Radrouten

Tourismuspolitische Forderungen des ADFC-Bundesverbandes

Weitere Empfehlungen und Positionspapiere des ADFC zum Fahrradtourismus