ADFC Berlin veröffentlicht Beschwerde an Polizei Berlin – „Wir erwarten eine Richtigstellung“

Herr Frank Schattling, Leiter des Stabes Verkehr der Landespolizeidirektion Berlin, hat am 27.7.2021 in einem rbb-Radiointerview die Fakten bezüglich der in 2020 im Verkehr tödlich verunglückten Radfahrenden falsch wiedergegeben. Das ist problematisch und verletzend. In einer öffentlichen Beschwerde fordert der ADFC Berlin die Richtigstellung und Entschuldigung seitens der Polizei Berlin.

Wörtlich sagte der Polizeidirektor, dass „zu einem großen Teil“ bei den in 2020 im Verkehr tödlich verunglückten Radfahrenden „auch das Eigenverschulden unfallursächlich“ sei. Das ist nachweislich falsch. Der ADFC Berlin stellt für jeden im Berliner Verkehr getöteten und verstorbenen Radfahrenden ein weißes Geisterrad auf. Jedes Mal werden auch der Unfallort besucht und der Unfallhergang analysiert. Daraus ergibt sich für das Jahr 2020: Neun der 17 Opfer wurden von Rechtsabbiegern getötet, einer von einem Raser, einer von einem aufgefahrenen SUV. Der Großteil der tödlich verunglückten Radfahrenden ist durch Fremdverschulden ums Leben gekommen.

„Die Einschätzung von Herrn Schattling ist schlichtweg falsch. Diese Verdrehung der Fakten, dass Radfahrende selbst Schuld seien, ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht der Angehörigen und derer, die täglich auf dem Rad den Bedrohungen des zu wenig kontrollierten Kfz-Verkehrs ausgesetzt sind. Es führt auch zu einer strukturellen Verursacher-Opfer-Umkehr innerhalb der Polizei. Die Polizei muss in der Lage sein, Zahlen aus der polizeilichen Unfallstatistik abzulesen und ihre Kontrollen danach auszurichten. Der Großteil der tödlich verunglückten Radfahrenden hat ihr Leben durch Fremdverschulden verloren. Wir fordern eine öffentliche Richtigstellung und Entschuldigung seitens der Polizei“, sagt Frank Masurat, zuständig für Politik im Vorstand des ADFC Berlin.

Ziel der Schwerpunktkontrollen Polizei vergangene Woche war es, laut Presseveröffentlichung der Polizei selbst, Hauptunfallursachen von Radfahrenden und gegenüber Radfahrenden zu kontrollieren. Selbst die häufigste Unfallursache von Radfahrenden kommt nur halb so oft vor wie die häufigste Unfallursache gegenüber Radfahrenden, zeigt die polizeiliche Unfallstatistik. Das heißt umgekehrt, die Hauptunfallursache gegenüber Radfahrenden sind im Vergleich zu Hauptunfallursache von Radfahrenden fast doppelt so häufig. Die Hauptunfallursache gegenüber Radfahrenden bleibt fehlerhaftes Abbiegen von Kfz-Fahrenden. Wenn die Polizei es ernst meint mit ihrer Sicherheitsarbeit, muss der Fokus demnach auf der Kontrolle des Abbiegeverhaltens von Kfz-Fahrenden liegen. Das größte Sicherheitsproblem sind Abbiegeunfälle. Damit es sicherer wird, müssen die Kontrollen hier ansetzen. Mit seiner öffentlichen Beschwerde möchte der ADFC Berlin den Angehörigen der Verstorben sowie ausdrücklich auch der Witwe des verstorbenen Radfahrenden vom Savignyplatz beistehen, die sich mit deutlicher Kritik an der falschen Aussage an den Tagesspiegel gewandt hat.

In der Beschwerde des ADFC Berlin heißt es „Wir erwarten zeitnah eine Richtigstellung durch die Polizei, eine öffentliche Entschuldigung bei den Hinterbliebenen der im Straßenverkehr getöteten Menschen des letzten Jahres, sowie eine glaubhafte Aufklärungskampagne der Polizei zu den Ursachen der tödlichen Unfälle.“

Die öffentliche Beschwerde finden Sie hier als PDF: Download

Hintergrund der getöteten Radfahrenden von 2020: https://adfc-berlin.de/radverkehr/sicherheit/information-und-analyse/145-unfallorte/782-getoetete-radfahrende-2020.html

Analyse der Unfallstatistik: ADFC Berlin zur Unfallstatistik 2020: „Fahrrad-Boom wird anhalten, Maßnahmen drängender denn je“

Kritik der Witwe des verstorbenen Radfahrenden vom Savignyplatz: https://checkpoint.tagesspiegel.de/langmeldung/41xNUE3iqXcERzo1FnZBv9 _____________________________________________________________________

Pressekontakt: Lisa Feitsch, E-Mail: presse@adfc-berlin.de, Tel. (auch mobil): +49 (0)30 – 44 04 99 74