Sichere Wege über die Marzahner Brücke!

Ringen um bessere Radverkehrssituation über die Marzahner Brücke bisher erfolglos. Von unseren Ideen und Forderungen. Vom Ortstermin am 23.10.19. Der Brückenneubau wird durchgehende Radverkehrsanlagen haben. Zur Bauphase 2022-2028 und zur Abstimmung mit dem RSV9-Projekt ist noch viel zu klären. Auf Bezirksebene sind Radverkehrsanlagen in der ADK voranzutreiben. Zur aktuellen Gefahrensituation sind dicke Bretter zu bohren. Immerhin errangen wir, dass unsere Vorschläge nochmals geprüft werden.

Mit den Marzahner Brücken, auch Marzahner Knoten genannt, überquert die Landsberger Allee die S7 und die Märkische Allee.Beim Bau dieser Brücken wurde der Radverkehr schlicht vergessen. Es gibt bis heute keine Radwege. Der Autoverkehr fließt in beide Richtungen mit Tempo 50 auf 3 Spuren. Dies führt zu engen und gefährlichen Überholmanövern. Noch brenzliger wird es an den Auf- und Abfahrten. Hier werden Radfahrende durch kreuzende Fahrzeuge gefährdet.

Vorschläge des ADFC zu 4 Sofortmaßnahmen

Diese lassen sich schnell und mit überschaubaren Kosten umsetzen.

1. Maßnahme

Tempo 30 auf den Auffahrten zur Brücke und einen Gefahrenhinweis als Piktogramm auf der Fahrbahn. Dies wurde bereits im September 2018 in der BVV beschlossen. Aber von der VLB abgelehnt.

2. Maßnahme

Wir fordern, den Gehweg auf der Nordseite für den Radverkehr in beide Fahrtrichtungen freizugeben. Von der VLB abgelehnt. Damit ließen sich die gefährlichen Zu- und Abfahrten auf der Südseite vermeiden. Es bräuchte dafür eine Ausschilderung ab der Ampel Pyramidenring. Nach der Ampel gibt es keine Chance mehr, die Straße zu queren.

3. Maßnahme

Die Unterführung bei der Knorr-Bremse sollte auch auf der Südseite mit einer Rampe ausgebaut werden. Durch die Treppe ist er für Radfahrende aktuell ein Hindernis.

4. Maßnahme

Auf der Landsberger Allee im Brückenbereich – überall da, wo Radwege fehlen – braucht es eine Tempobegrenzung auf 30 km/h – SOFORT.Von der VLB abgelehnt. Und natürlich forderten wir auch die entsprechenden Kontrollen durch die Polizei!

Ortstermin am 23.10.2019

Da alle bisherigen Forderungen des ADFC zur Gefahrenentschärfung für Radfahrende bisher durch die VLB abgelehnt wurden, auch nach einem Ortstermin im Februar 2018, lud der Vorsitzende des Petitionsausschusses Christan Ronneburg zum erneuten Ortstermin am 23.10.2019.

Ca. 20 Radfahrende v.a. aus Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg waren am 23.10.2019 gekommen, Vertreter*innen der Senatsverkehrsverwaltung, der Verkehrslenkung/VLB und der Polizei, die Bezirksstadträtin für Verkehr Frau Zivkovic und weitere Vertreter*innen aus der Bezirkspolitik MaHe.

Zunächst wurden die störenden Stufen am südlichen Ausgang der Unterführung an der Knorrbremse besichtigt. Dort bereits sagte Frau Zivkovic zu, zusammen mit der Senatsverkehrsverwaltung für eine provisorische Rampe zu sorgen. Endlich mal eine konkrete Verbesserungsaussicht!

Weiter ging es zur Einmündung der Frank-Schweitzer Straße auf der südlichen Seite der Landsberger Allee, wo der Hochbordweg endet und der Radverkehr in die Fahrbahn geleitet wird. Einige Radler waren dabei zu beobachten, in die mittlere Spur Richtung Hellersdorf wechseln zu müssen, auch ein in der rechten Spur fahrender Radler wurde zu eng überholt. Die VLB-Vertreterin verteidigte, dass Tempo 50 auf den Rampen bleiben müsse, da bei Tempo 30 der Geschwindigkeitsunterschied zum Verkehr auf der Landsberger Allee gefährlich hoch sei. Auf der Landsberger Allee sei laut VLB Tempo 30 nicht möglich, da der „Verkehrsfluss ins Stocken“ käme. Radfahrende hielten dagegen, dass § 10 des MobGes hier ignoriert werde, dass Sicherheit vor „Verkehrsfluss“ gehen müsse. Das Drohszenario von Stau sei eine Behauptung der VLB. Diese sei erstmal zu belegen. Man könne einen zeitlich definierten Probelauf mit Tempo 30 machen und den analysieren. In den Bereichen, wo Radwege fehlen, ist die Gefahrensituation für die Radfahrenden ist enorm und steigt mit der Geschwindigkeit des motorisierten Verkehrs. Unfallwahrscheinlichkeit und Unfallfolgen sind bei Tempo 30 geringer. Zudem steigert sich das Sicherheitsempfinden und mehr Menschen trauen sich aufs Rad. Die VLB: es gebe auf dem bestehenden Bauwerk keine Lösung. Eine Radspur auf der Fahrbahn sei nicht möglich.

Das Gespräch wurde im Pavillon am Cleantechpark fortgeführt, erstmal zur Situation auf dem nördlichen Gehweg der Brücke. Dessen Belag ist marode. Die Freigabe des Radfahrens auf dem Gehweg in beide Richtungen würde einigen Stadtauswärtsradfahrenden die gefährliche Situation auf der Südseite ersparen. Auch für die Stadteinwärtsradelnden ist Radfahren auf dem Gehweg direkt nach Einmündung der von der Märkischen Allee kommenden Rampe anfangs nicht gestattet und dort auch nicht mit Bordsteinabsenkung versehen. Auf der hier genannten Rampe ist für den motorisierten Verkehr 60 km/h ausgewiesen. Es wird festgehalten, dass die genannten Umstände auf dem nördlichen Gehweg und die Temporegelung dieser Rampe nochmals durch die VLB geprüft werden sollen. Der ADFC und Frau Zivkovic werden Blitzer beantragen.

Zuständige der Bauplanung erläuterten Grundzüge des Brückenbauvorhabens. Im Januar 2020 werde es eine Informationsveranstaltung zur Bürgerbeteiligung geben. Es werde nicht mit einem Planfeststellungsverfahren gerechnet. In 2021 werden vorbereitend Leitungen verlegt. In 2022 wird der Beginn und in 2028 der Abschluss der eigentlichen Brückenneubauten erwartet. Diese erfolgen in 3 Abschnitten. Es wird jeweils eine der 3 Brücken neugebaut, die zugehörige alte Brücke dann abgerissen, daher wird es Fahrbahnverschwenkungen inklusive der Tram und auch zeitweise Vollsperrungen geben. Zur Radverkehrsführung in der Bauphase gab es noch keine Übersicht. Der motorisierte Verkehr werde phasenhaft auf einer Fahrspur pro Richtung geregelt. Nach Bauabschluss gäbe es beidseits Radwege von meist 2 m Breite sowie Gehwege und Barrierefreiheit. Der Wechsel zwischen Märkischer und Landsberger Allee soll als Kreuzung ohne Höhenunterschied und ohne Rampen mit Ampeln gestaltet werden.

Der ADFC fragte nach, ob eine Abstimmung zwischen dem Brückenbauprojekt und der Machbarkeitsstudie zur Radschnellverbindung RSV 9 entlang der Landsberger Allee erfolgt. Dies sei bisher nicht der Fall.

Der vom ADFC eingebrachten Vorschlag, eine separate Brücke in Leichtbauweise für den Fuß- und Radverkehr zu schaffen, um schnellstmöglich die Situation für Fuß- und Radverkehr zu verbessern, sei durch die Senatsverkehrsverwaltung geprüft und aus Platzmangel nicht möglich.

Frau Zivkovic fragte, welche Alternativrouten für den Radverkehr in der Bauphase der Bezirk ertüchtigen könne. Die Fußgängerbrücke Wiesenburger Weg/ S-Bahnhof Marzahn ist Projekt der DB. Ihr Ausbau für den Radverkehr sei nicht vorgesehen. Von Radfahrenden wurde die Allee der Kosmonauten/ADK genannt, die hierzu durchgehend mit guten Radverkehrsanlagen ausgestattet werden muss. Der bezirkliche FahrRat wird sich hiermit beschäftigen. (nächster FahrRat-Termin: 19.12.2019 um 18 Uhr, Wolfener Str. 32-34) Zu diesem Thema, das doch auch VLB-Aufgabe ist, brachte sich die VLB nicht ein.

P+R-Einrichtungen im Umfeld des Marzahner Knotens wurden vorgeschlagen, um Pendlern das Umsteigen vom Kfz zum ÖPNV zu ermöglichen. Auf Senatsebene würden neue P+R-Einrichtungen im Stadtgebiet abgelehnt. Frau Zivkovic möchte Optionen im Umfeld des Georg-Knorr-Geländes prüfen, z. B. im Sinne einer Teilnutzung von Mitarbeiterparkplätzen.

Die Diskussion kam zurück auf ausstehende Gefahreneindämmung aktuell in den Bereichen des Marzahner Knotens, in denen keine Radwegführung besteht. Radfahrende äußerten einmütig: so wie es ist, kann es nicht bleiben! Die VLB solle aktiv auf eine akzeptable Lösung zuarbeiten, statt sich in Ablehnungen zu ergehen. Die VLB-Vertreterin verblieb rechtfertigend, für die Marzahner Brücken habe sie „keine Idee“. Am Ende wurde seitens der VLB kleinlaut eingeräumt, dass der Vorschlag eines Tempo-30-Probelaufes nochmal geprüft werden könne.

Auf die Frage, ob sie zum Schutz Radfahrender durch Messen und Ahnden zu geringer Überholabstände auf Motorisierte einwirken könne, verneinte die Polizei, dass dies polizeiintern thematisiert werde, auch gäbe es kein zertifiziertes Messverfahren hierzu.

Zusammenfassend:

Es wurde lebhaft diskutiert und es konnten Informationen und Sichtweisen ausgetauscht und einige Probleme konstruktiv besprochen werden. Es gibt keine sofortigen Verbesserungen aber einige Prüfaufträge, auch bereits abgelehnter Vorschläge, selbst das heilige Tempo scheint nicht in Stein gemeißelt. Durch engagierten Einsatz vieler Beteiligter konnte in diesem Ortstermin mehr erreicht werden als im vorigen in 2018. Trotz begrenzter Detailinfos scheint uns, dass beim Brückenneubau Interessen Radfahrender gewahrt werden. Der ADFC wird sich dazu weiter einbringen. Zur Bauphase und zur Abstimmung mit dem RSV9-Projekt ist noch viel zu klären. Auf Bezirksebene sind Radverkehrsanlagen in der ADK voranzutreiben.

Einige Entscheidungsträger*innen haben das Mobilitätsgesetz verstanden und übernehmen Verantwortung in ihrer Zuständigkeit, sind auch für Vorschläge aus der Bürgerschaft offen. Nur die Rolle der VLB hinterlässt eine ratlosen Eindruck. Von sich aus zeigt sie kein Interesse, die Situation vor dem Abschluss des Brückenneubaus zu verbessern. Sie wird ihrer Verantwortung nicht gerecht. Nur auf beharrlichen Druck erteilte sie das Minimalzugeständnis nochmaliger Prüfung. Eigene Ideen Fehlanzeige. Ist diese Behörde nur uninspiriert oder unwillig oder komplett überfordert?

Es geht uns um die Sicherheit für Radfahrende auf dem Marzahner Knoten und damit um Menschenleben.

Wir fordern hier nicht mehr und nicht weniger als die Anwendung des Mobilitätsgesetzes. Jeder soll sicher ans Ziel kommen. Das Fahrrad soll eine attraktive Alternative zum Auto sein.

Wir fordern, dass die Vision Zero für die Politik zur Maxime wird, konkret auf dieser Brücke: alles Notwendige und Machbare auszuschöpfen, um schwere Unfälle zu vermeiden.