Neuer DB-Fahrplan: Verschlechterung für Fahrradmitnahme im Fernverkehr

Mit dem Fahrplanwechsel ergeben sich für die Bundesländer Berlin und Brandenburg zwar Verbesserungen bei ICE-Verbindungen in Richtung Süden, dafüraber erhebliche Verschlechterungen bei der Fahrradmitnahme in Fernzügen: Auf der neuen ICE-Schnellfahrstrecke Berlin–München ist keine Fahrradmitnahme möglich. Die bisher verkehrenden drei InterCity-Zugpaare fallen mit Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2017 weg – und damit im Sommerhalbjahr fast 7.000 Radstellplätze.

Das widerspricht dem aktuellen Reisetrend: „Der Radtourismus ist in den vergangenen drei Jahren um 30% angestiegen“, sagt Maike Berndt, Tourismus-Expertin beim ADFC-Berlin. Mit 35% liege der Anteil der Bahnfahrer im Radtourismus laut ADFC-Radreiseanalyse höher als bei allen anderen Urlaubsarten. „Und Bayern ist die beliebteste Region für Radreisen im Inland.“

Um dorthin zu gelangen, müssen Radreisende aus Berlin nun längere Fahrtstrecken mit Umstieg etwa in Hannover auf sich nehmen. Gleiches gilt für Anreisende aus dem Süden, die Radwege in Berlin und Brandenburg nutzen wollen. Dabei sind die Radstellplätze auf diesen Strecken in den Sommermonaten bereits gut ausgelastet. Und ein Mietfahrrad kommt der ADFC-Radreiseanalyse zufolge für 93% der Reisenden nicht in Frage. In den Fahrradabteilen wird es also eng.

Die Fahrradmitnahme im Nightjet der österreichischen ÖBB zwischen Berlin und Zürich entfällt ebenfalls mit dem Fahrplanwechsel. Ab dem 10. Juli 2018, pünktlich zur Hauptreisezeit, wird dann auch die IC-Tagesverbindung Berlin–Basel durch einen ICE ohne Fahrradmitnahme ersetzt. „Eine derartige Unterversorgung zwingt Radreisende, von der Bahn auf Fernbusse oder Pkw umzusteigen“, kritisiert Kai-Uwe Thiessenhusen vom Arbeitskreis Intermodalität des ADFC Berlin.

Einbußen für Radtourismus-Regionen

Zwar sind die neuen ICE 4 mit je acht Fahrradabstellplätzen ausgestattet. Diese Züge werden Berlin aber erst ab Dezember 2018 bedienen. Beliebte Ausflugsziele auf der Strecke Berlin-München, beispielsweise in Franken, können mit dem ICE überhaupt nicht erreicht werden. Auch die Fachgruppe Fahrradmitnahme des ADFC Bundesverbands sorgt sich um die wegfallenden Radstellplätze und hat bei DB Fernverkehr angefragt, ob nicht wenigstens für die Sommermonate 2018 eine Übergangslösung mit IC möglich ist. Eine Antwort steht noch aus.

Thiessenhusen befürchtet negative Auswirkungen für den Radtourismus: Rund 355 Euro gehen den Urlaubsregionen Bayern und Berlin/Brandenburg mit jedem Radreisenden verloren, der sich für ein anderes Urlaubsziel entscheidet. Durch 7000 wegfallenden Radstellplätze werden Hotels, Gaststätten und Geschäften also knapp 2,5 Millionen Euro fehlen. Thiessenhusen fordert deshalb: „Eine IC-Verbindung mit Fahrradmitnahme pro Tag auf der Strecke Berlin-München ist das Mindeste, was die Bahn anbieten sollte.“

Der ADFC Berlin setzt sich ein für zukunftsorientierten Ausbau von Fahrradmitnahmemöglichkeiten im Fernverkehr, der das Potential des umwelt- und klimafreundlichen Radtourismus und seinen Wirtschaftsfaktor für die Urlaubsregionen berücksichtigt.

Hintergrund

ADFC-Travelbike Radreiseanalyse 2017

Rad&Bahn – Praxistipps für die Reise

Infos zum Arbeitskreis Intermodalität

Foto: Nelson Silva / flickr